Posts mit dem Label Trivialität werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Trivialität werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Mittwoch, 9. März 2016

In meiner Welt gibt es unendlich viel zu sehen...

"Wo soll ich am besten beginnen, um es möglichst kurz und verständlich zu machen? Diese Welt, Emily,  das, was du hier siehst, was dich umgibt, ist nicht die einzige Realität. Es gibt mehrere verschiedene  Dimensionen, Parallelwelten sozusagen und diese hier ist nur eine mögliche Welt unter vielen. Ares und  Ich, wir kommen aus einer anderen Welt-"
"Wie Aliens?", unterbrach sie ihn erschrocken und stellte sich gerade vor, wie sie in einem Raumschiff zur Erde gereist waren. Vielleicht sogar in dem blauen Lieferwagen.
"Nein, nicht ganz. Wir kommen nicht wirklich von einem anderen Planeten, sondern mehr aus einer  anderen … Wirklichkeit. Und dein Anhänger auch. Und dorthin möchte ich dich  bringen. Oder viel mehr, möchte ich, dass du uns dorthin bringst."
[...]
 "Was soll ich tun?" Levins Halblächeln, das zwischendurch einem besorgten Ausdruck gewichen war, erschien wieder auf seinem Gesicht, er nahm seine Hände von  ihren Schultern und begann zu erklären: "Hol den Anhänger hervor. Nun nimm ihn in die eine Hand und gib mir die andere." Emily zog den Anhänger an der Silberkette unter ihrem T-Shirt hervor. Er schien zu leuchten. Dann nahm sie ihn in die linke Hand und schloss ihre Faust um ihn. Schließlich legte sie ihre rechte  Hand in Levins ausgestreckte linke Hand. Seine Hand war warm und weich und zitterte im Gegensatz zu Emilys nicht.
"Öffne die Faust, lass ihn ruhig auf deiner Handfläche liegen und konzentrier dich auf sein Leuchten."
Emily hob die linke Hand so, dass sie zwischen ihnen beiden in der Luft, ihr etwa auf Brusthöhe stehen  blieb und öffnete sie. Gebannt sahen sie beide den Anhänger an. Er leuchtete nun definitiv. Das grüne  Leuchten schien zu pulsieren, fast wie ein Herz. Sie zuckte zusammen. Es war, als hätte der Anhänger sich bewegt, obwohl er ganz still da lag. Pulsierende Energiewellen liefen durch ihre Hand, zunächst ganz  schwach und dann immer stärker werdend. Sie wollte Levin fragen, was passierte, doch sie konnte vor  Aufregung den Mund nicht bewegen.
"Und jetzt schließ die Augen und stell dir vor, wie das Meer aufhört zu Rauschen. Höre, wie die Möwen langsam verstummen. Spüre, wie  der Wind sich allmählich legt. Es sind nur noch wir beide und der Anhänger da. Sonst nichts", sprach Levin mit leiser, fast hypnotischer Stimme. Emily schloss die Augen und versuchte sich nur auf das Pulsieren des Anhängers in ihrer linken Hand zu konzentrieren, doch sie wurde abgelenkt von Levins Hand in ihrer rechten. Sie wurde nervös und ihre Hände schwitzig. Mit einem sanften Drücken seiner Hand holte Levin sie aus ihren Gedanken und sie riss sich zusammen, obwohl es ihr schwer fiel, mit geschlossenen Augen hier zu stehen, ihre Hand in seine gelegt...Reiß dich zusammen! Denk an Ares und daran, was er mit dir macht, wenn er  euch hier findet-schalt sie sich selbst und es klappte. Sie fokussierte ihre Gedanken nur auf den Anhänger. Alle Geräusche und Wahrnehmungen, selbst das Licht schienen zu verschwinden. Vor ihrem geistigen Auge sah sie nur das an- und abschwellende grüne Leuchten, nahm nur die sanften Energiestöße wahr, die  von ihrer Handfläche durch ihren ganzen Körper pochten und an ihrer rechten Hand in Levins Hand  übergingen. Levins Hand...fast wäre sie wieder abgedriftet, doch dann drang ein Bild in ihr Bewusstsein,  von einer Landschaft, die sie noch nie gesehen hatte. Ein dichter Wald, mit riesigen grünen Bäumen, an denen sich Kletterpflanzen hochrankten, durch ihre Blätter fiel ein warmes grünliches Licht, das das Dickicht zwischen den Bäumen mit hellen Flecken sprenkelte. Zwischen den Bäumen schlängelte sich ein Weg durch das Dickicht, an dessen Ende ein kleines Haus stand. Es war aus weißen Ziegeln gebaut, hatte ein Spitzdach aus schwarzem Schiefer, mit einem kleinen weißen Schornstein, aus dem Rauch quoll und auf der Veranda aus dunklem Holz standen eine Bank und ein Schaukelstuhl, der sich im Wind wiegte. Sie hörte das Rascheln der Blätter, das Zwitschern von Vögeln und roch die würzigen erdigen Aromen eines Waldes an einem Sommermorgen. Die Luft war feucht, aber nicht schwül, da die Bäume mit ihrem dichten Blätterdach die meiste Hitze abhielten. Was war das für ein Ort? Und wie konnte sie ihn mit diesen Details, sogar mit den Gerüchen und Gefühlen wahrnehmen? Sie versuchte sich wieder auf das Pochen des Anhängers zu konzentrieren, doch sie merkte, dass es aufgehört hatte. Verwundert schlug sie die Augen auf und bemerkte: Keinen Unterschied. Sie stand wirklich in diesem Wald. Der Strand, das Meer, alles war einfach verschwunden. Nein. Ich bin verschwunden. Emily schlug die rechte Hand vor den Mund um einen Aufschrei zu unterdrücken, als ihr bewusst wurde, dass Levin diese Hand eben noch gehalten hatte. Wo war er? Hatte sie ihn … verloren? War es, weil sie sich nicht richtig konzentriert hatte? Weil sie sich hatte ablenken lassen? Erschrocken drehte Emily sich um und sah ihn hinter sich stehen. Er war lässig an einen Baum gelehnt und betrachtete sie mit einem breiten Grinsen auf dem Gesicht.

"Willkommen in Ageia."

Montag, 7. Dezember 2015


"Wo bringst du mich jetzt hin?", fragte Emily und blickte  ihm ins Gesicht.
Levin nickte und schürzte die Lippen.
"Diese Frage ist theoretisch leicht zu beantworten, aber ohne längere Erklärung würdest du die Antwort nicht verstehen. Möchtest du die Erklärung jetzt haben, oder wollen wir uns erst einmal aus dem Staub machen? Ares könnte hier auftauchen. Er wird wissen, dass wir hierher kommen werden." Mit einem ernsten Blick sah er sie an. Emily schob ihre Unterlippe nachdenklich vor, sie war hin-und hergerissen. Sie wollte zuerst wissen, wohin sie gehen würden. Es fiel ihr schwer, einfach blindlings jemandem zu folgen, den sie kaum kannte, an einen Ort, den sie gar nicht kannte. Sie hatte sowieso nicht viele sichere Dinge in ihrem Leben gehabt, seit ihr Vater verschwunden war, aber die wenigen Sicherheiten, die sie hatte, einfach aufzugeben, war auch so schon schwer genug. Emily hatte nun einmal gerne alles unter Kontrolle, wusste,  wo sie war, wer sie war, wer die Menschen um sie herum waren. Sie hatte auch nie mit Alkohol oder anderen Drogen herumexperimentieren wollen, weil sie Angst vor dem Kontrollverlust hatte.
Aber jetzt mit Levin mitzugehen, ohne auch nur zu wissen, wohin, die Vorstellung machte ihr eine  Heidenangst.
Levin schien ihre Zweifel zu bemerken, denn er legte ihr sanft seine warmen feingliedrigen Hände auf die  Schultern und sah sie mit seinen leuchtend grünen Augen eindringlich an. Sein rechter Mundwinkel hob  sich leicht und verzog seinen Mund zu einem sanften Halblächeln.
"Hab keine Angst", sagte er mit leiser, fester Stimme, jedoch nicht flüsternd. 

Dienstag, 9. Juni 2015

Garstige Snippetse

"Du kannst dich umziehen, wenn du möchtest. Nimm den Anhänger mit und versteck ihn gut. Ich gehe  noch etwas vorbereiten, aber ich bin bald wieder da. Beeil dich bitte." Ohne sie anzusehen sprach Levin diese Worte über ihren Kopf hinweg und wandte sich um, um zu gehen, doch Emily hob die  Hand und fasste ihn am Arm. Levin erstarrte.
"Was ist?" Ohne den Kopf zu drehen, fragte er sie mit einer  seltsam belegten Stimme. Seine Muskeln waren angespannt, Emily konnte es fühlen.  Im Licht der aufgehenden Sonne zeichneten  die Muskeln seiner Arme sich, weiche Schatten werfend, ab. Sie schüttelte  unwillkürlich den Kopf, um ihre Gedanken zu ordnen.

***

"Wo bringst du mich hin?", fragte sie ihn zögerlich.
"Komm", war Levins einzige Erwiderung, bevor er sich umdrehte und die Wohnungstür öffnete.
Emily biss sich auf die Unterlippe und verkniff es sich, etwas zu sagen. Sie war zu gespannt darauf, zu  erfahren, wohin Levin sie bringen würde. Würde er sie in ein Geheimversteck bringen? Eine Höhle  irgendwo? Ein verlassenes Haus? Oder würde er sie sogar aus der Stadt heraus fahren? Sie musste an ihre Mutter denken. Vivian lag im Krankenhaus, nichts von dem ahnend, was vor sich ging. Emily würde sie nicht einmal besuchen können, wenn sie jetzt verschwand. Aber wenn ihre Mutter dadurch in Sicherheit  wäre, wäre es wohl das Beste so.
Sie stieg in ihre grünen Doc Martens, ohne sie zuzuschnüren. Im Hinausgehen griff sie sich ihren Schlüssel von der Kommode im Flur und stopfte ihn hastig in ihre Hosentasche. Sie verließ die Wohnung, zog die Tür hinter sich zu und wollte gerade abschließen, als Levin ihr  Handgelenk griff.
"Lass das lieber. Sie werden die Wohnung sowieso durchsuchen. Besser ist es, wenn sie  ohne Probleme einbrechen können, als wenn sie die Tür aufsprengen." Das sah Emily ein, doch es  beunruhigte sie sehr.  Alles, was ihre Mutter und sie noch besaßen, nachdem sie umgezogen waren,  befand sich in dieser Wohnung. Immerhin besaßen sie kaum etwas Wertvolles. Ihren Schmuck, ihr  Tafelsilber und andere Wertgegenstände hatte ihre Mutter längst verkauft, nachdem ihr Vater  verschwunden war. Bei dem Gedanken an ihren Vater zog sich ihr Magen zusammen und sie verkrampfte sich. Schnell versuchte sie den Gedanken zu verdrängen und ging hinter Levin die Treppe  hinunter und durch die Haustür hinaus. Es war ein angenehmer Morgen, ohne Wolken am Himmel und die Temperatur wies darauf hin, dass es ein sehr heißer Tag werden würde. Hoffentlich würden sie sich nicht zu viel in der Sonne aufhalten. Emily bekam mit ihrer blassen Haut sehr schnell Sonnenbrand. Ein kurzer  Blick zur Seite auf Levins gebräunte Haut versicherte ihr, dass er dieses Problem nicht hatte.
Levins blauer Lieferwagen stand vor der Tür und Emily wollte gerade darauf zusteuern, als Levin den Kopf schüttelte.
"Wir müssen zu Fuß gehen. Das ist weniger auffällig."

***

Ohne etwas zu sagen wendete sich Emily also um und  begann in Richtung Strand zu gehen. Immer noch tat ihr Fuß beim Gehen weh, aber sie konnte  mittlerweile auftreten und sie wollte nicht wieder von Levin getragen werden. Doch sie kamen nur langsam voran und schon nach ein paar Dutzend Metern schmerzte Emilys Fuß fast unerträglich.
"Was ist los?" Levin war vor ihr stehen geblieben und musterte ihr schmerzverzerrtes Gesicht besorgt.  Emily lief wieder rot an. Sie wollte ihre Schwäche nicht zugeben, aber selbst wenn sie es schaffen würde,  mit diesen Schmerzen noch weiter zu gehen, würden sie für den Fußweg von wenigen Minuten fast eine  Stunde brauchen. Also überwand sie sich "Mein Fuß. Er schmerzt fürchterlich." Levin schien ihren  umgeknickten Fuß schon vergessen zu haben, denn er sah sie für einen Moment verständnislos an. Dann  fing er an zu lachen und schüttelte sachte den Kopf.
"Ich dachte schon, du hättest Ares oder noch etwas  Schlimmeres irgendwo gesehen. Na los, spring auf!“, sagte er zu ihr, drehte sich um und ging leicht in die  Hocke. Emily zögerte, doch Levin warf ihr einen ermunternden Blick über die Schulter zu und Emily riss  sich zusammen. Sie sprang auf Levins Rücken, legte ihre Hände um seinen Hals und er griff ihre Beine. 
"Halt dich gut fest", sagte er schelmisch und rannte los. 

Sonntag, 16. November 2014

Calm down? I think I'm perfectly calm considering the situation!


Bewegungs- und ausdruckslos stand sie auf ihrem Bett als ihr dämmerte, in was für einer Gefahr sie schwebte. Levin betrachtete sie besorgt. Er hatte aufgehört zu reden und durchquerte den Rest des Zimmers in zwei Schritten. Emily kauerte nun auf ihrem Bett bewegungslos und mit starrem Blick. Er schlang seine Arme um ihren Oberkörper und zog sie vom Bett. Da fing sie an, um sich zu schlagen und zu treten und Levin konnte sie kaum halten. Von hinten hatte er sie im Klammergriff, die Arme über ihrer Brust verschränkt, sie einige Zentimeter über dem Boden haltend. Heiser versuchte sie zu schreien, doch ihre Stimmbänder hatten ihr die Dienste versagt. Sie war wie von Sinnen. Und nichts von dem, was er sagte, kam bei ihr an. Er stellte Emily ab, packte ihre Schultern und drehte sie um. Mit festem Griff hielt er sie und sah sie eindringlich an. Sie hatte aufgehört, um sich zu schlagen und begann langsam  ihre Umgebung wieder wahrzunehmen.
"Emily. Beruhige dich. Ich werde dir nichts tun. Ich verspreche dir, dass ich dir nichts tun werde." Sie sah zu ihm hoch. Die grauen Augen geweitet, die Wangen vor Anstrengung gerötet die Haare zerzaust. Levin erwiderte ihren Blick, ohne zu blinzeln. Emily starrte ihn an und wurde sich plötzlich der Situation bewusst. Levin sah sie so merkwürdig an.

Dienstag, 21. Mai 2013

I'll take the lead, you'll take the pain


"Ich soll mit dir irgendwohin gehen? Nach all dem? Lass mich mal kurz überlegen…Ähm...NEIN?!" Jetzt  schrie sie doch, obwohl es ihr Schmerzen in Hals und Kopf bereitete.
"Emily, du musst mir vertrauen." Levin sprach sehr eindringlich und nicht mehr ruhig.
Schon wieder lachte Emily das kalte schrille Lachen, das klang, als wäre sie wahnsinnig geworden. Levin  sah sie besorgt an.
"VERTRAUEN? DIR?" Emily brüllte nun und ihre heisere Stimme überschlug sich. Ihr Puls raste und sie war fiebrig heiß. Sie konnte nicht klar denken und die Worte bahnten sich ihren Weg von allein.
Levin ging zögernd auf das Bett zu, die Arme vor sich ausgestreckt, die Handflächen beschwichtigend nach unten gedreht.
"Komm nicht näher!", flüsterte Emily in bedrohlichem Ton. Sie rutschte auf ihrem Bett ganz nach hinten,  den Rücken an die Wand pressend, die Füße in die Matratze stemmend. Adrenalin pumpte durch ihren  Körper und sie spürte keine Schmerzen. Als Levin einen weiteren Schritt auf sie zu machte, streckte sie die  Knie durch und sprang auf. Levins Augen weiteten sich, doch er kam weiter auf sie zu. Emily stand jetzt in ihrem Bett, in die Ecke gedrängt, ohne Ausweg. Die Panik hatte sie vollkommen ergriffen.
"Emily, du musst dich beruhigen. Bitte. Ich weiß, dass du mir nicht vertraust und dazu hast du allen Grund. Aber du musst mit mir kommen. Ich habe Ares niedergeschlagen, als er dich angriff, weil ich dich beschützen wollte. Ich musste Norah festhalten, weil er sie sonst auf seine Art ruhiggestellt hätte. Ich will nicht, dass man dich gefangen nimmt oder Schlimmeres..." Levin sprach noch weiter, doch Emily hörte ihn nicht mehr. Sie nahm ihre Umgebung nicht mehr wahr. In ihren Ohren hatte es angefangen zu rauschen und sie versuchte zu begreifen, was Levin da gesagt hatte. Gefangen nehmen? Schlimmeres? In was für eine Sache bin ich da hereingeraten? Ihre Gedanken rasten. 

Freitag, 17. Mai 2013

Is' mir der Film gerissen? Seit wann sind wir denn im Disneyland?


Als Emily aufwachte, dämmerte es gerade. Ein Blick auf ihren Wecker verriet ihr, dass es die  Morgendämmerung war. Sie fühlte sich fürchterlich. Vom Kopf bis zu den Füßen tat ihr alles weh. Es  dauerte eine ganze Weile, bis sie sich erinnerte, warum das so war. Der verknackste Fuß, die Blutergüsse  an Rippen und Rücken und dann fiel es ihr ein und sie stieß unwillkürlich einen Schrei aus. Der Strand!  Norah, Levin, der Klops… Levin hatte den Fleischklops niedergeschlagen und war auf sie zugegangen. Danach  wusste sie nichts mehr. Instinktiv schaute sie sich um, um sich zu vergewissern, dass sie in ihrem Zimmer  lag. Ja, das sah sehr nach ihrem Zimmer aus. Panik ergriff sie. Wie war sie hierhergekommen? Da hörte  sie ein Geräusch, die Tür wurde geöffnet, sehr langsam wurde der Lichtspalt größer und eine Gestalt  zeichnete sich ab. Im Gegenlicht konnte sie kaum etwas erkennen, aber sie hatte schon eine Vorahnung  und zog reflexartig ihre Decke hoch bis unters Kinn und setzte sich trotz Schmerzen ruckartig auf. 

Donnerstag, 31. Januar 2013

Fainting


"Norah, lauf weg! Hörst du? Renn!", rief sie ihrer Freundin zu, die gerade zu ihr herüber laufen wollte, nach  ihren Worten jedoch die Richtung wechselte und wegrannte. Immerhin rannte Levin ihr nicht hinterher. Er stand nur reglos da, die Arme schlaff an seinen Seiten herabhängend und schaute sie weiter mit diesem  leeren Gesichtsausdruck an. Es war ja auch nicht notwendig. Emily könnte sich sowieso nicht gegen die zwei Männer wehren und mit ihrem schmerzenden Knöchel und den Blutergüssen  könnte sie auch nicht weglaufen.
"Bla bla blaaaah! Langweilig! Gib mir jetzt den Anhänger und ich lasse dich vielleicht am Leben." Der Klops  packte sie mit der linken Hand am Hals und hielt die rechte fordernd geöffnet.
"Wird's bald!", schrie er sie an, benetzte ihr Gesicht dabei mit stinkendem Speichel und begann den Griff  um ihren Hals zu verstärken. Der Schweißgeruch, der von ihm ausging, betäubte sie halb und sie musste  ihren Würgereiz mit aller Macht unterdrücken, während sie merkte, wie ihr Gesicht rot anlief und es an  den Rändern ihres Sichtfeldes zu Flimmern begann.
Drohend starrte er herab in ihr Gesicht und begann, immer fester zuzudrücken, bis Emily die Luft  vollkommen wegblieb, als seine Augen sich auf einmal nach oben verdrehten und die Kraft, die Emilys Hals  umklammerte, nachließ. Der Riese kippte zur Seite um und hinter ihm kam Levin zum Vorschein. Er  machte einen Schritt auf Emily zu. Sie wollte sich wehren, wollte schreien und um sich schlagen, doch die  Atemnot, die Schmerzen und die Aufregung forderten ihren Tribut und Emily verlor das Bewusstsein.

Freitag, 25. Januar 2013

DU!


Emily sah sich um. Es war nichts und niemand zu sehen. Sie ging ein Stück weiter den Strand entlang und  sah sich wieder um. Gerade noch rechtzeitig sah sie einen massigen Arm in die Richtung ihres Kopfes  sausen und schaffte es, sich wegzuducken.
"Hallo, Miststück. Ich wollte dich überraschen, aber das hast du jetzt verdorben. Wo ist der Anhänger?"  Der Fleischklops, er war wirklich sehr groß, bestimmt über zwei Meter, schoss es ihr durch den Kopf, stand  vor ihr und streckte fordernd die rechte Hand aus.
"Wo ist Norah?", fragte Emily trotzig und musste allerlei Kosenamen für den Kerl vor ihr unterdrücken.
"Emily! Hilfe!" Ihre Frage beantwortete sich gewissermaßen von selbst. Norah stand einige Meter weiter  weg, gehalten von zwei Armen. Levins Armen.
Fassungslos sah sie zu Norah und Levin hinüber. Norah wand sich in Levins Griff, der sie aber, ohne  jegliches Zeichen von Anstrengung, festhielt. Norahs Gesicht war tränenüberströmt und ihre schwarze  Schminke  war in Rinnsalen ihre Wangen hinunter gelaufen. Auch Emilys Augen füllten sich mit Tränen. Sie  war so wütend auf Levin, dass sie den Fleischklops vollkommen vergaß. Sie hatte doch gewusst, dass Levin  nicht annähernd so normal war, wie er vorgab und doch hätte sie, vor allem, nachdem er Norah zu ihr bestellt hatte, nicht erwartet, dass er mit an ihrer Entführung beteiligt war.
"DU!", schrie sie ihre ganze Wut und den Schmerz der letzten zwei Tage hinaus.
"Was ist das für ein abartiges Spiel? Ich wusste, dass ich dir nicht trauen kann! Ich hab doch gewusst, dass du mit diesem Fleischklops unter einer Decke steckst, aber dass du jetzt auch hier auftauchst hätte ich nicht gedacht. Also war das gestern nur ein Trick, dass du mich scheinbar gerettet hast? Und, dass du  Norah zu mir geholt hast? Irgendein Teil deines perfiden Plans? Lass Norah gefälligst los!  Du...Du...Mir fällt gar kein Wort ein, um zu beschreiben, was ich von dir halte!" Levin sah sie an. Er verzog keine Miene. Ein starrer Ausdruck  war alles, was Emily zur Antwort bekam. "LASS SIE LOS!", schrie Emily und zu ihrem eigenen Erstaunen leistete Levin ihr Folge. 

Freitag, 19. Oktober 2012

Easy


"Das ist ganz einfach. Du hast ein Schmuckstück, das mich interessiert. Einen Anhänger. Den bringst du mir  zum Strand. Dort wo ich dich das letzte Mal schon fertig machen wollte. Und auch, wenn diese Warnung  eigentlich überflüssig ist, da du bestimmt schon begriffen hast, dass es nichts nützen würde: Du kommst  allein. Und sagst niemandem, wo du hingehst. Und du beeilst dich besser, sonst tu ich dem kleinen  Flittchen hier vielleicht doch noch was an." Er legte auf. 
Emily sprang auf. Und bereute es sofort. Der Schmerz in ihrem Knöchel war so stark, dass sie fast  umgefallen wäre. Schnell atmend rang sie um Gleichgewicht. Wie sollte sie schnell zum Strand kommen,  wenn sie kaum laufen konnte? Sie hatte zwar ein Fahrrad, aber bei dem müsste sie die Reifen erst  aufpumpen, da sie es schon seit Monaten nicht benutzt hatte. Wo war Levin mit seinem Auto, wenn man  ihn brauchte? Da sah sie die Autoschlüssel ihrer Mutter auf dem Schrank im Flur liegen. Sie war noch nie  selbst Auto gefahren, aber immerhin hatte ihre Mutter einen Wagen mit Automatikgetriebe. Das sollte  doch einfacher sein als  mit Schaltung, oder?

Samstag, 22. September 2012

"Ich bin jedenfalls erfreut, dich nicht nochmal riechen zu müssen!"


Unpassend zum Thema, aber im Hinblick auf den bald
bevorstehenden Umzug (schon wieder -.-) ist dies mein Adé.
Das Telefon klingelte. Jäh wurde sie aus ihren Gedanken gerissen und bemerkte, dass Norah schon seit  fast einer Stunde weg war.
Emily schaute auf die Nummernanzeige, es war Norahs Nummer.
"Wo bleibst du denn?", meldete sich Emily am Telefon.
"Oh, hast du etwa Sehnsucht nach mir, du kleines Miststück?", drang eine schrecklich  bekannte Stimme aus dem Hörer. Es war der Fleischklops und Emily hätte fast das Telefon fallen gelassen. Wie kam er an  Norahs Handy? Emily presste fest die Augen zu und versuchte ruhig zu bleiben.
"Erfreut, von mir zu hören?", lachte es dreckig aus dem Lautsprecher.
"Ich bin jedenfalls erfreut, dich nicht nochmal riechen zu müssen!" Emilys loses Mundwerk antwortete fast  automatisch.
"Halts Maul, du dreckige Schlampe! Noch eine freche Bemerkung und deine kleine Freundin wird dafür  bezahlen!" Der Fleischklops klang wirklich wütend und im Hintergrund hörte sie eine Mädchenstimme  schreien.
"Norah!", rief Emily.
"Ach so heißt die Kleine hier. Wollte uns ihren Namen nicht verraten. Ist mir aber auch ziemlich egal. Ich  habe ein paar Anweisungen für dich, die du ganz artig ausführen wirst, weil deine Freundin sonst in  Einzelteilen zu dir zurückkommt." Der Widerling hatte seine bösartige Lache wieder. Emilys Gedanken  rasten. Was könnte er von ihr wollen? Und wer war das "uns" von dem der Klops gesprochen hatte? Gab  es etwa noch mehr von dieser Sorte? Bei dem Gedanken wurde ihr übel und das nicht nur wegen des  Körpergeruchs, den sie sich ausmalte. Was hatten sie Norah angetan?
"Du…" Emily wollte gerade wieder zu einer bissigen Bemerkung ansetzen, als sie an Norah dachte.
"Was willst du von mir?", fragte sie stattdessen.

Sonntag, 19. August 2012

Pizza!!! (Und ein schönes Foto mit dem Becci-Tier :D)


Da der Kühlschrank ziemlich leer war, schauten beide nach, wie viel Geld sie hatten und entschlossen sich dazu, sich vorerst von Tiefkühlpizza zu ernähren.
"Optimales Preis-Leistungs Verhältnis", lachte Norah und Emily stimmte mit ein.
Emily hätte aber unmöglich einkaufen gehen können, ihr Fuß tat zwar nicht mehr so weh, wie am Vortag,  aber Gehen fiel ihr immer noch schwer. Also ging Norah alleine zum Supermarkt, der gerade einmal fünf  Minuten Fußweg entfernt war.
Emily blieb allein zu Hause und begann fast sofort wieder zu grübeln.
Was war das für eine komische Geschichte in die sie da scheinbar hereingezogen worden war?
Erst Levin, der ständig irgendwo auftauchte - wo ist er jetzt eigentlich? - und dann der Muskelmann am Strand. Selbst für so eine stattliche Körpergröße  und derart trainierte Muskeln war er ungewöhnlich stark. Sie schauderte. Emily wusste nicht, vor wem sie mehr Angst hatte. Bei dem Fleischklops wusste sie wenigstens definitiv, dass er gefährlich und feindlich  war. Aber Levin? Auch er hatte etwas … Merkwürdiges an sich. Wie hatte er es geschafft, den riesigen Kerl  niederzuschlagen? Reiner Überraschungsmoment? Wohl kaum. Doch irgendwie hatte Emily das Gefühl,  dass sie früher oder später noch erfahren würde, was es mit der ganzen Geschichte auf sich hatte. Ob sie  es nun wollte oder nicht. Ich will lieber nicht.

Sonntag, 5. August 2012

Have you ever felt like you're being followed?


 Emily stockte und wollte gerade weitersprechen, als Norah begann zu sprechen.
"Vielleicht ist es Schicksal?", lachte Norah zuerst, bevor sie plötzlich ernst wurde und sagte: "Oder er  verfolgt dich." Emily lief ein Schauer über den Rücken.

Mittwoch, 1. August 2012

I bet your boyfriend hates you most


Beim Aussteigen musste Levin Emily helfen, was sie nur widerwillig annahm. Sie sah auf ihr Handy, um die Uhrzeit zu überprüfen. Es war schon fast drei Uhr morgens. Chris schlief garantiert längst. Aber wenn ich ihm erzähle, was alles passiert ist, wird er mir garantiert nicht böse sein. Sie klingelte. Als nichts geschah, klingelte sie noch einmal. Als sie gerade noch einmal den Klingelknopf drückte, drang Chris leicht gereizte Stimme aus der Sprechanlage: "Ja?"
"Hi Chris, hier ist Emily. Kannst du mich bitte reinlassen?" Der Türöffner summte und Emily drückte die Tür auf.
"Er wohnt ganz oben, also könntest du mich vielleicht …?" Emily hasste es, Levin fragen zu müssen und konnte den Satz nicht zu Ende sprechen, doch Levin hatte sie trotzdem verstanden. Er ging ein wenig in die Hocke, legte seinen linken Arm in ihre Kniekehle, seinen rechten an ihren Rücken und kippte sie so, dass sie in seinen Armen lag. Dann richtete er sich mühelos auf. Ihre Krücken hielt Emily in ihren Händen. Levin trug sie die fünf Stockwerke hoch und stellte sie auf Chris Fußmatte ab, wo dieser schon wartete. Seine Haare waren vollkommen zerzaust, er hatte seine Brille nicht auf, was seine Augen ungewöhnlich klein wirken ließ und er trug nur eine Jogginghose, aus der oben seine Boxershorts raushing. Er sah aus, als wäre er gerade aus dem Bett gefallen und hätte sich hastig etwas übergezogen. Wie unerwartet. Dass er kein Shirt trug machte Emily ein wenig verlegen. Sie bemerkte, wie er Levin einen seltsamen Blick zuwarf und die Situation wurde ihr noch unangenehmer.
"Ich-ähm, also...Kann ich heute Nacht bei dir schlafen?", fragte sie mit unsicherer Stimme, ohne ihn anzusehen. Chris blinzelte ein paar Mal, offensichtlich verwirrt, bevor er fragte: "Was?" Er rieb sich die Augen.
"Emily möchte wissen, ob sie heute Nacht bei dir schlafen kann", wiederholte Levin langsam und deutlich, als würde er Chris für geistig zurückgeblieben halten. Emily warf ihm einen wütenden Blick zu.
"Warum? Was...Sind das Krücken? Und was ist mit deinem Gesicht-? Komm erstmal rein." 
Er öffnete die Tür und ließ Emily und, was Emily peinlich war, auch Levin herein und führte sie in sein Zimmer. Seine Mitbewohner waren zum Glück nicht zu Hause, da sie ihre Semesterferien woanders verbrachten, sodass sie sich wenigstens nicht auch noch dafür schuldig fühlte, sie ebenfalls aus dem Bett geklingelt zu haben.
Emily setzte sich auf Chris Bett, wo Levin sich zu ihrer Empörung neben ihr niederließ. Chris hob die Augenbrauen, sagte jedoch nichts und sank in seinen Sessel.
"Emily, was ist passiert?" Er schien beschlossen zu haben, Levin, der sich entspannt zurückgelehnt hatte und neugierig seine Umgebung musterte, zu ignorieren.
"Ich- Es ist kompliziert", begann sie und erzählte ihm, was alles passiert war, seit sie seine Wohnung verlassen hatte, wobei sie jedoch versuchte es nicht so seltsam wirken zu lassen, dass Levin immer plötzlich aufgetaucht war. Für Chris musste es sich so anhören, als wäre Levin die ganze Zeit bei ihr gewesen. Auch nicht viel besser. Chris sah sie für ein paar Augenblicke nur an.
"Aber dir geht es soweit gut?" Besorgt musterte er sie und Emily fielen wieder die ganzen kleinen Kratzer und die aufgeplatzte Lippe in ihrem Gesicht ein. Sie nickte.
"Also kann ich hierbleiben? Nur heute Nacht? Also den Rest, der davon noch übrig ist, meine ich." Erwartungsvoll sah sie ihn an und hoffte, obwohl sie sich dabei schäbig fühlte, dass ihre großen Augen auf ihn auch so wirkten, wie sie es scheinbar bei anderen Männern taten. Anziehend kann er mich ja kaum finden. Ich bin doch noch fast ein Kind für ihn, aber vielleicht funktioniert ja deswegen das Kindchenschema. Emily schob bei diesem Gedanken auch noch ihre Unterlippe vor und versuchte zu ignorieren, dass Levin neben ihr leise lachte und sachte den Kopf schüttelte. Chris nickte.
"Und…ähm...?" Chris sprach Levin immer noch nicht an, sondern nickte nur in seine Richtung.
"Oh, keine Sorge. Ich habe nicht die Absicht bei dir zu übernachten. Ich wollte Emily lediglich sicher hier abliefern." Mit einem Lächeln, das andere freundlich gefunden hätten, das Emily jedoch Schauer über den Rücken jagte, sah er sie an. Emily erwiderte den Blick gehässig.
"Gute Nacht ihr Zwei", trällerte Levin und verließ, mit einem Zwinkern seines linken Auges für Emily und einem kurzen Winken mit der rechten Hand an Chris, die Wohnung. Emily erwartete, dass Chris sie fragen würde, wer Levin war, woher sie ihn kannte oder etwas in der Art, doch Chris sah sie nur noch einen Moment an und gähnte dann.
"Leg dich ruhig in mein Bett, ich schlafe in Alex Zimmer." Alex war einer von Chris beiden Mitbewohnern. Emily wollte protestieren, doch da ihr keine andere Lösung einfiel, nickte sie nur, zog die Hose, die sie sich über ihre Boxershorts gezogen hatte, aus und legte sich hin. Chris wünschte ihr eine Gute Nacht und verließ, das Licht ausschaltend, sein Zimmer. Für einige Minuten lag Emily hellwach im Bett und bezweifelte, dass sie in der Lage sein würde, einzuschlafen, doch dann überkam sie mit einem Mal eine Welle der Müdigkeit und sie fiel in einen tiefen Schlaf.

Sonntag, 8. Juli 2012

Arroganz sieht nur von oben aus wie Niveau.


"Und dieser Freund von dir, der hat kein Problem damit, wenn du so spät bei ihm auftauchst?"
"Er wird das wohl weniger schlimm finden, als zu wissen, dass Jemand wie du sich in meiner Wohnung befindet, während ich dort schlafe", erwiderte sie nüchtern. Levin grinste. Warum grinst er ständig?
"Ach du meinst, weil ich so gut aussehe. Eifersüchtige Kerle sind wirklich furchtbar. Du solltest ihn verlassen. Nicht wegen mir natürlich, sondern zu deinem eigenen Besten", sprach er mit gespielter Überzeugung.
"Er ist nicht-" setzte sie an, doch wurde von Levin unterbrochen:
"Obwohl ich natürlich mein Bestes geben werde, um dich zu trösten." Mit seinem anzüglichen Lächeln und einer hochgezogenen Augenbraue drehte er sich zu ihr um. Da sie gerade an einer roten Ampel standen, nahm er sich die Zeit, sie von oben bis unten mit einem Blick zu mustern, der ihr Blut zum Kochen brachte. Vor Wut.
"Nur damit du es weißt: Mit deiner Macho-Art beeindruckst du mich kein bisschen!"
"Gut, dass ich noch nicht einmal angefangen habe, zu versuchen, dich zu beeindrucken", lachte Levin hämisch.
"Du bist so ein widerlicher, schleimiger-" sein nun amüsierter Blick ließ sie verstummen. Es macht ihm einfach einen Wahnsinnsspaß mich zu ärgern...
"Ein widerlicher, schleimiger Was?" Spöttisch grinsend gab er Gas, als die Ampel auf Grün schaltete, doch Emily schwieg wieder beharrlich. Levin lachte leise, doch Emily ignorierte ihn für den Rest der Fahrt.

Montag, 7. Mai 2012

Stalking ist strafbar!


Unterwegs nach unten hielt der Aufzug zweimal an und ein paar  Patienten und Pfleger stiegen ein und aus, und musterten sie, wie sie da stand, mit ihrem zerrissenen  Hemd, die Haare zerzaust, nur notdürftig zusammengebunden und Sand und Zweige immer noch überall  sichtbar.
Sie hasste es sowieso, wenn die Leute sie anstarrten, doch in dieser Verfassung und auf so engem Raum  war ihr dabei noch unwohler als sonst. Also war sie froh, als sie unten ankam. Ein schneller Blick rundum  und durch die Glastüren nach draußen genügte ihr um sicherzustellen, dass kein Levin und kein blauer  Lieferwagen irgendwo auf sie warteten. So schnell sie konnte humpelte Emily also nach draußen und um  die nächste Ecke. Mit einem erneuten Blick auf den zum Glück gut ausgeleuchteten Parkplatz versicherte  sie sich, dass immer noch kein blauer Lieferwagen da war und dann humpelte sie in die Fußgängerzone  zwischen der Reihenhaussiedlung neben dem Krankenhaus.  Von dort aus wählte sie auch weiterhin  Wege, die möglichst die Straßen auf dem Weg zwischen dem Krankenhaus und ihrem Zuhause vermieden.
Als sie schließlich ankam war sie erleichtert, dass niemand vor ihrem Haus wartete und kämpfte sich mit  ihren Krücken so gut es ging die Treppe zu ihrer Wohnung hoch. Emily öffnete die Tür, betrat die  Wohnung und schloss die Tür mit einem Krückenstoß. Danach stellte sie die geliehenen Gehhilfen neben der Tür ab und humpelte in ihr Zimmer, um ihre dreckige  Kleidung abzulegen. Sie setzte sich auf ihr Bett und zog ihr Flannellhemd und den Rest ihrer Kleidung aus  und zog sich ihren Schlafanzug, bestehend aus einem schwarzen Trägertop und einer Boxershorts, an.  Dann schleppte sie sich ins Bad, um ihre Haare zu kämmen, ihr Gesicht zu waschen und  ihre Zähne zu putzen.
Gerade war sie damit fertig, die Zweige und den Sand aus ihren Haaren zu kämmen, als eine mittlerweile  allzu bekannte Stimme zu ihr sagte: "Wow, du hast es alleine bis hierher geschafft und hast noch die Kraft,  dich um deine Haare zu kümmern?" Levin lachte unbekümmert, aber Emilys Herz setzte ein paar Schläge  aus. Wie kam er hier herein? Wie lange war er schon da? Und warum überhaupt?
"Du hast die Tür offen gelassen. Sehr nachlässig von dir, aber durchaus praktisch für mich. Als ich zum  Krankenhaus zurückkam, warst du nicht mehr da und da bin ich hierher zurückgefahren. In dieser  Verfassung und mit diesem Kerl, der vermutlich immer noch hinter dir her ist, konnte ich dich nicht alleine  lassen. Was hast du dir dabei gedacht alleine durch die dunklen Straßen zu humpeln? Bist du  lebensmüde?" Daran hatte Emily gar nicht gedacht. Sie war so beschäftigt mit der Sorge um ihre Mutter  und mit der Hoffnung endlich alleine zu sein, um ihre Gedanken zu ordnen, dass sie den Fleischklops ganz  vergessen hatte. Aber trotzdem wurde sie das Gefühl nicht los, dass mehr hinter der ganzen Sache steckte  als bloße Fürsorge. Sie war sich sicher, die Tür geschlossen zu haben, als  sie die Wohnung betreten hatte.
"Ich glaube dir nicht. Ich traue dir kein bisschen und ich will, dass du jetzt gehst", sagte sie betont ruhig zu  ihm und sah ihm dabei fest in die Augen. Doch Levin lächelte nur spöttisch und schüttelte den Kopf.
"Ich  werde dich nicht alleine lassen, Emily." Und die Art, wie er ihren Namen aussprach, zum ersten Mal, wie  ihr bewusst wurde, war so ungewohnt und gleichzeitig vertraut, als würde sie ihn schon ewig und nicht  erst seit einem Tag kennen.  Fast hätte sie nachgegeben, schließlich könnte der Fleischklops sie verfolgt  haben und hier auftauchen…aber dann fiel ihr etwas auf, das sie davon abhielt, Levin zu vertrauen. Sie  hatte ihm ihren Namen gar nicht genannt.

Dienstag, 24. April 2012

Pills and twigs


"Können Sie sich irgendwie erklären, wie es dazu gekommen ist?", fragte der Sanitäter, der mit ihnen  hinten geblieben war, während der andere den Motor startete und losfuhr.
"Sie ist tablettensüchtig. Wir hatten einen Streit, ich bin weggelaufen. Nur, um mich etwas zu beruhigen.  Und als ich wiederkam, lag sie dort. Ich habe mich vorher schon über ihre Tabletten informiert und  deshalb direkt gesehen, dass sie eine Überdosis genommen haben musste…Aber ich dachte es wäre  versehentlich." Der Sanitäter sah Emily verständnisvoll an.
"Also war es kein Versehen?", fragte er.
"Nein. Ich habe einen Abschiedsbrief auf dem Couchtisch gefunden. Sie wollte sterben. Aber sie wird nicht  sterben, oder?", fragte sie ihn und blickte hoffnungsvoll zu dem Fremden hoch.
"Nicht, wenn wir es verhindern können. Sie haben uns gerade rechtzeitig verständigt. Nur ein paar  Minuten später und es hätte zu spät sein können. Geht es Ihnen denn gut? Soll ich mir ihren Fuß einmal  anschauen?" Bisher hatte er sie kaum angesehen, aber jetzt musterte er sie ziemlich genau und Emily  wurde schlagartig bewusst, dass ihre Haare voller Zweige waren und sie über ihrem BH nur ein zerrissenes  Flannellhemd anhatte. Wie gerne hätte sie dem Mann vor ihr ihre Verletzungen gezeigt, damit er sie  anschauen und behandeln konnte, doch dann müsste sie ihm auch erzählen, wie es dazu gekommen war  und irgendetwas an der ganzen Geschichte erschien ihr zu seltsam, um sie zu erzählen. Was war mit ihr  los? Sie hätte längst die Polizei anrufen sollen. Immerhin wurde sie von einem Wildfremden angegriffen  und halb zusammengeschlagen. Doch etwas in ihr warnte sie davor, sich dem Sanitäter oder einem  Polizeibeamten anzuvertrauen. Und so sagte sie schließlich, wenn auch widerwillig: "Nein, es ist schon in  Ordnung. Ich werde morgen zu meinem Hausarzt gehen. Jetzt geht es erst einmal um meine Mutter."
Der Sanitäter nickte nur und sagte nichts. Er sah nicht überzeugt aus und sah sie und Levin belustigt an. Sollte er doch denken, was er wollte. Emily hatte im Moment genug Stoff zum Nachdenken.

Donnerstag, 8. März 2012

Briefe verheißen selten etwas Gutes

Durch die Glasscheibe in der Wohnzimmertür konnte man das blaue flackernde Licht des  Fernsehers sehen. Man hörte eine Frau kreischen und einen Mann mit tiefer Stimme lachen. Es musste  irgendein Horrorfilm sein, der da lief, doch Emily kam die Situation sehr bekannt vor. Sie holte tief Luft,   öffnete die Tür und machte das Licht an. Ihre Mutter lag, wie erwartet, auf dem Sofa und, wie erwartet,  stand das Tablettendöschen auf dem Couchtisch. 
"Setz mich auf das Sofa", sagte sie zu Levin und schämte  sich für einen Moment unglaublich für ihre Mutter. Doch dann dachte sie wieder daran, dass sie Levin sowieso nicht vertraute,  und dass ihre Mutter auch nicht wirklich etwas dafür konnte wie sie war, also schob sie den Gedanken bei Seite.
"Mama, ich bin zu Hause", sagte sie und schüttelte ihre Mutter leicht. Sie fühlte sich kühl an. Panik machte  sich in Emily breit. Sie hielt ihre Hand nah vor das Gesicht ihrer Mutter. Ihre Atmung war sehr schwach und  unregelmäßig. Sie sah sich um. Levin sah alarmiert aus. 
"Was ist los?"
"Ruf schnell einen Krankenwagen. Das Telefon liegt im Flur!" Ohne zu zögern eilte Levin in den Flur und  Emily hörte ihn sprechen.
"Überdosis Diazepam", rief sie ihm zu, damit der es weitergeben konnte.
Sie hatte sich die Packungsbeilage und genügend Internetartikel durchgelesen, um die Situation sofort zu  verstehen. Sie hatte immer befürchtet, dass dies einmal passieren würde. Doch sie hatte gehofft, dass sie  nicht grün und blau geprügelt und bewegungsunfähig und zusätzlich in Begleitung eines wenig  vertrauenswürdigen Fremden war, wenn es passierte.
"Der Notarzt ist unterwegs. Falls sie aufhört zu atmen, müssen wir sie Mund-zu-Mund beatmen."
Emily vergrub das Gesicht in ihren Händen. Die Tränen, die sie die ganze Zeit niedergekämpft hatte,  flossen jetzt unkontrolliert.
"Es wird alles wieder gut. Der Notarzt ist in circa drei Minuten hier. Das Krankenhaus ist ja zum Glück nicht  weit entfernt." Levin versuchte sie zu beruhigen, doch sie wollte sich jetzt gar nicht beruhigen. Sie hatte  allen Grund dazu auf dem Sofa zu sitzen und einen kleinen Nervenzusammenbruch zu haben!
Sie hob den Kopf um Levin genau das zu sagen, da fiel ihr der Zettel auf dem Tisch auf. Sie schloss die  Augen fest und hoffte, dass es nicht das war, was sie befürchtete. Doch als sie die Augen öffnete und den  Zettel in die Hand nahm, sah sie ihre Befürchtungen bestätigt.

Freitag, 24. Februar 2012

Taken by a stranger

Emily sah ihn nicht an. Ihr war  gerade erst etwas sehr Seltsames aufgefallen und sie würde sich am liebsten gegen die Stirn schlagen, weil  sie nicht vorher darüber nachgedacht hatte. Angst kroch in ihr hoch.
"Wieso warst du überhaupt da?"
"Was?", fragte er scheinbar verwirrt.
"Wie kommt es, dass ausgerechnet du in ausgerechnet dieser Situation am Strand aufgetaucht bist?" Sie fragte  ihn nun ganz direkt und jegliche Nettigkeit war aus ihrer Stimme verschwunden.
"Ich bin einfach so zum Strand gefahren. Wollte mich mit ein paar Freunden treffen, du weißt schon. Und  dann hab ich diesen Typ gesehen und deine Schreie gehört", erklärte er ganz beiläufig, doch Emily war  nicht überzeugt.
"Ich glaube dir nicht. Da waren keine Leute, mit denen du dich hättest treffen können. Ich glaube du  kennst diesen Fleischklops."
"Nein, ich habe ihn gerade zum ersten Mal gesehen. Wirklich. Was wollte der eigentlich von dir?" Emily antwortete ihm nicht. Irgendetwas stimmte hier ganz und gar nicht und sie wollte einfach  nur nach Hause und Levin nie wieder sehen.

Montag, 20. Februar 2012

" Semesterferien = Zeit für sinnfreie Dinge :D"


"Kannst du aufstehen?", fragte Levin sie.
"Ich glaube nicht. Müssen wir jetzt einen Krankenwagen rufen? Meine Mutter bringt mich um, wenn das  passiert. Die ist eh schon auf 180. Sie -" doch bevor sie noch etwas sagen konnte, hatte er schon seine  Arme unter sie geschoben und sie hochgehoben. Dieses Herumgetragenwerden würde hoffentlich nicht  zur Gewohnheit werden.
"Bin ich nicht irgendwie…schwer oder so?", fragte Emily und blickte hoch. Sie kriegte auf einmal ein  schlechtes Gewissen wegen des Eisbechers heute Nachmittag. Doch Levins Gesicht zeigte keine Spur von  Anstrengung.
"Ähm, was?", fragte er zerstreut.
"Ist schon in Ordnung. Wo bringst du mich jetzt hin?" Verwirrt beobachtete sie sein Gesicht.  Levin starrte stur geradeaus. Er schien nachzudenken.
"Nach Hause", antwortete er schlicht.
"Du kannst mich doch nicht den ganzen Weg bis dahin tragen!" Selbst wenn der Weg  nur einige Minuten dauerte, war die Vorstellung, dass er sie ohne Anstrengung bis dahin tragen könnte in  ihren Augen absurd. Vielleicht lag das aber auch daran, dass sie selbst so gut wie keine Kraft in dem Armen  hatte. Schon eine Sechserpackung Wasser in PET-Flaschen  schaffte sie maximal zehn Meter weit zu  tragen. Aber Levin schien es gar nichts auszumachen, dabei sah er gar nicht so wahnsinnig muskulös aus.  Jedenfalls nicht so, wie der Fleischklops.
"Ich könnte schon, aber das würde schlicht zu lange dauern. Du scheinst zu vergessen, dass ich ein  Fahrzeug besitze", sagte er mit einem selbstsicheren Lächeln. Emily rollte die Augen.
Auf dem Parkplatz am Strand angekommen blieb Levin vor seinem blauen Lieferwagen stehen.
"Greif mal in meine Hose."
"Bitte was?", fragte sie empört.
"In meine Tasche, da ist der Schlüssel drin." Er lachte und Emily wurde durch die Kontraktion  seines Zwerchfells leicht durchgeschüttelt.
"Welch Zufall", entgegnete sie schnippisch und griff umständlich in Levins Hosentasche. Umständlich zum  einen, weil es aus ihrer Position einiges an Verrenkung bedeutete und zweitens, weil sie versuchte auch  wirklich nur den Schlüsselbund zu treffen.
"Du wirst ja richtig rot. Süß", grinste Levin und Emily wurde es zu viel.
"Lass mich runter und hol deinen Schlüssel selbst aus deiner verfluchten Tasche!", schrie sie und tobte  dabei, die Schmerzen einfach ignorierend. 

Dienstag, 10. Januar 2012

Manchmal, aber nur manchmal...


"Steh auf, Miststück!" Fuhr er sie an.
"Meinst du, das hab ich nicht schon versucht du Idiot? Hättest deine Kräfte vielleicht ein bisschen  dosierter einsetzen sollen, wenn du wolltest, dass ich noch aufstehen kann." Schluss mit der Höflichkeit.  Was sollte er schon tun? Sie noch einmal schlagen? Wenn er das wollte, würde er es sowieso tun und ihr   loses Mundwerk war nun einmal ihre stärkste Waffe. "Argh!" Und ihre größte Schwäche, wie sie feststellte  als der Typ ihr mit seinen schweren Lederstiefeln in die Seite trat.
"So machst du es auch nicht besser du Fleischklops," brachte sie zwischen zusammengepressten Zähnen  hervor.
"Hoch mit dir du Schlampe," grollte er und zog sie an ihrem Flannellhemd nach oben. Doch als er sie  losließ, gaben Emilys Knie sofort nach und sie knickte ein.
"Na toll, jetzt muss ich dich auch noch tragen oder wie?" Rief der Mann und sah verächtlich auf sie  herunter.
"Also selbst schaff ich es vorerst nicht. Wir können ja einfach hierbleiben und abwarten, ob es bis morgen  besser ist," sagte sie sarkastisch. Der Kerl ignorierte sie einfach, hob sie auf und warf sie sich über die  Schulter.